Am 18. März 2026 wurde in der öffentlichen und hybrid durchgeführten Mitgliederversammlung in der Geschäftsstelle des Berliner Frauenbund 1945 e.V. über das sowohl gesellschafts-, klima- als auch gleichstellungspolitisch wichtige Thema Gender in der Klimakrise: Symbolpolitik oder Strukturfrage? rege diskutiert. Uns freut, dass viele Menschen sich für eine stärkere Verschränkung von Geschlechtergerechtigkeit und Klimapolitik interessieren, um bestehende Ungleichheiten nicht zu verschärfen, und in Präsenz oder online teilnahmen.
Dank der im Nachhinein von den Referent*innen noch weiter ausgefeilten Präsentation „Gender in der Klimakrise: Symbolpolitik oder Strukturfrage?“ Vgl. Anhang können alle den tollen Input detailliert nachverfolgen. Basierend auf Forschungsergebnissen erfolgte eine Verortung von Gendergerechtigkeit und Klimawandel. Daran schloss sich ein Bericht zu den Entwicklungen in Deutschland auf Bundesebene an. Umfangreich wurde von der Bestandsaufnahme „Gender in kommunaler Klimapolitik“ – mit noch enttäuschendem Fazit.
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Die profunde und lebhafte Diskussion verdanken wir unseren Referent*innen: Dr. Julia Teebken, Politikwissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS Erkner), die von ihren Forschungen berichtete, wie soziale Ungleichheiten den Umgang mit Klimawandelfolgen prägen und welche Rolle politische als auch gesellschaftliche Akteur*innen auf unterschiedlichen Politikebenen für die Ausgestaltung und Umsetzung sozialgerechter Klimaanpassungspolitik spielen. Lukas Weißenberger, Politikwissenschaftler (M.A.) mit Schwerpunkt Geschlechter-, Klima- und Nachhaltigkeitspolitik, berichtete von seinen Untersuchungen zur Gendergerechtigkeit in der kommunalen Klimapolitik und der Analyse von rund 200 kommunalen Klima- und Anpassungskonzepten.
Viel zu häufig werden Gleichstellungs-, Klima-, und Sozialpolitik in eigenen Säulen betrachtet und bearbeitet. In der Klimapolitik geraten soziale Fragen – insbesondere geschlechtsspezifische Ungleichheiten – zumeist aus dem Blick. Gleiches gilt für ökologische Aspekte in der Gleichstellungs- und Sozialpolitik. Darauf verweist u.a. der Vierte Gleichstellungsbericht „Gleichstellung in der sozial-ökologischen Transformation“ (2025): Klimawandelfolgen und Klimapolitiken wirken nicht im sozialen Vakuum. Sie treffen auf ungleiche Einkommensstrukturen, ungleich verteilte Sorgearbeit und ungleiche Repräsentation in Macht- und Führungspositionen. Wir verstehen Gender als soziostrukturelles Geschlecht, welches keine isolierte Kategorie, sondern Ausdruck tiefer liegender sozialer, ökonomischer und politischer Machtverhältnisse ist.
Der Klimawandel gehört zu den neuen sozialen Fragen des 21. Jahrhunderts.Seine Folgen betreffen vor allem sozial benachteiligte Menschen besonders stark. Daher ist Klimaanpassungspolitik auch eine Politik für mehr soziale Gerechtigkeit. Sie muss eine ganzheitliche Perspektive einnehmen und die Ursachen für die unterschiedliche Betroffenheit, nämlich die soziale Ungleichheit, berücksichtigen. Dies hat auf allen föderalen Ebenen zu geschehen und zwar durch staatliche als auch nichtstaatlichen Akteur*innen in allen verschiedenen Sektoren. Im Fokus steht das Konzept der sozialen
Vulnerabilität, anhand dessen Unterstützungsbedarfe und Handlungsempfehlungen aus sozial– und gleichstellungspolitischer Perspektive abgeleitet werden.
Zentrale Botschaften zur notwendigen Integration von Gleichstellungspolitik und Klimaanpassungspolitik
Gender in der kommunalen Klimapolitik
Rund 200 lokale Klimapläne deutscher Kommunen wurden anhand der Kategorien
analysiert. Das Ergebnis ist stark ernüchternd: Gender spielt in der kommunalen Klimapolitik in Deutschland bislang nur eine marginale Rolle. Ermutigend sind einzelne Vorbild-Kommunen, die sich mit dem Thema im Rahmen ihrer Klimapolitik (in unterschiedlichem Ausmaß) auseinandersetzen. Es bedarf einer stärkeren politischenEinmischung, in der auch engagierte Einzelpersonen ein positiver Einflussfaktor sein können. Mischen wir uns ein. Wir sind der Wandel!
